Bass Professor Magazin

Interview von Lars Lehmann

BP: Hi Patrick! Unsere Standardfrage: Wie bist du zum Bass gekommen?
PS: Hi! Das war, glaube ich, eine typische Situation, die viele Bassisten ähnlich erlebt haben. Mein erstes Instrument war eigentlich die klassische Gitarre. Es gab aber damals in der Schule eine Band, die einen Bassisten suchte. Weil ich unbedingt mitspielen wollte, drei Gitarristen aber zuviel waren, habe ich mir dann zu meinem Geburtstag einen Bass gewünscht.

BP: Wie kam es denn eigentlich, dass du dir als Bassist in der Fusion-Ecke einen solch guten Namen erspielen konntest? Hast du Tapes von dir verschickt oder wie kam der Stein ins Rollen?
PS: Ich hatte ganz kurz ausgedrückt das Glück, mit Musikern zu arbeiten, denen meine Art zu spielen gefiel und die mich deshalb weiterempfohlen haben.

BP: War es Zufall, dass du angefangen hast, Bass zu spielen und dein Bruder Martin zur Gitarre griff? Oder habt ihr euch "abgesprochen"?
PS: Nein, wir wurden dazu gezwungen! Als ich zum Bass wechselte, war der Rest unserer Familie ziemlich bald der Meinung, ein Bassist im Haus wäre genug (lacht). So musste Martin "leider" bei der Gitarre bleiben.

BP: Ihr müsst perfekt aufeinander eingespielt sein! Wenn man eure Bios vergleicht, stellt man schnell fest, dass ihr auffallend häufig zusammen in irgendwelchen Bands gespielt habt: Bei Pee Wee Ellis, Till Brönner, Passport etc. Habt ihr euch immer zusammen beworben?
PS: Ja, häufig! Wenn man sich so lange kennt und so viele Gigs zusammen gespielt hat wie wir, dann ist das schon eine tolle Sache, so gut aufeinander eingespielt zu sein. Wir müssen uns nicht erst lange darüber unterhalten, wie wir ein Stück spielen wollen. Wir haben einen sehr ähnlichen Musikgeschmack und so ziehen wir beide oft an einem Strang, ohne viele Worte darüber verlieren zu müssen.
Wenn man manchmal mit Leuten zusammenspielt, die man nicht so gut kennt, kann es passieren, dass die eine andere Auffassung von Musik haben. Du denkst dir: "Das groovt nicht!" oder "Jetzt müsste langsam die Post abgehen!", aber es passiert nichts. Wenn Martin und ich zusammenspielen, ist uns eigentlich meistens klar, in welche Richtung ein Song gehen soll.

BP: Und dann natürlich euer eigenes Projekt: Scales. Was könnt ihr bei diesem Projekt machen, was nicht auch in den anderen Bands möglich war oder ist?
PS: Ich denke, dass wir uns bei Scales am besten verwirklichen können. Wir spielen unsere eigene Musik mit den Musikern, mit denen wir das am liebsten tun. Wenn man mit anderen Bands spielt, muss man da schon mal eher Kompromisse eingehen.

BP: Was kannst du uns über eure neue CD "Grounded" erzählen?
PS: Man könnte sagen, dass die CD das Ergebnis der Erfahrungen ist, die wir in den letzten Jahren in diversen Bands gesammelt haben. Die Musik auf "Grounded" ist wie eine Reise durch verschiedene Kulturen. Wir haben uns von jedem schönen "Ort" ein paar schöne Andenken mitgenommen und sie dann zuhause in einen ganz neuen Bezug zueinander gestellt.
Die Musik ist groovy und reicht von Funk und Hiphop bis zu Afrobeats. Wichtig war für uns, bei jedem Stück genügend Platz für Improvisationen zu lassen. Ich freue mich sehr darüber, mit so hervorragen Musikern wie dem australischen Posaunisten und Didgeridoospieler Adrian Mears und dem Schlagzeuger Peter Wrba zusammengearbeitet zu haben.
Es sind auch eine ganze Menge Gastmusiker dabei, wie zum Beispiel die Sänger Ronnie van Lankeren, Paulo Alves und die Sängerin Sabina Sciuba, die einige Titel der Produktion durch ihren außergewöhnlichen persönlichen Stil sehr bereichert haben. Die CD ist bei Blue Note Records erschienen und ist alles in allem eine sehr runde Sache geworden, auf die ich sehr stolz bin!

BP: Spielt ihr mit der Scales-Band auch live? Ist eine Tournee oder sind Gigs bei Jazzfestivals geplant?
PS: Ja, es sind schon zwei Tourneen geplant: Ende März und Ende Mai. Man wird die Scales-Band aber sicher auch auf verschiedenen Jazzfestivals hören können.

BP: Welcher Künstler, mit dem du gearbeitet hast, hat dich denn am meisten beeindruckt?
PS: Das ist schwer zu beantworten. Gute Künstler sind immer beeindrukend, nur jeder für sich auf seine eigene Art und Weise. Ein Musiker hat mich aber speziell beeindruckt, und das ist Klaus Doldinger, der dieses Jahr 65 Jahre alt wird und für den das "on the road" sein und Konzerte spielen noch immer eine Art Lebenselexir zu sein scheint. Ich wünsche mir, dass ich in dem Alter noch die gleiche Motivation und Kraft haben werde!

BP: Ja, Doldinger kann man wirklich guten Gewissens als Dinosaurier der deutschen Fusionmusik bezeichnen. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm? Hast du in seiner Band viel gelernt?
PS: Die erste Bassline, die mich interessiert hat, sogar noch bevor ich selber Bass gespielt habe, ist die von dem Trailer zu der Fernsehserie "Tatort". Seitdem ich diese Bassline singen kann, bin ich ein Fan von Klaus Doldinger und Passport, von denen dieser Trailer ja stammt.
Bei Passport habe ich die Möglichkeit, regelmäßig mit sehr guten Musikern zu spielen und dabei kann man natürlich wahnsinnig viel lernen. Es war für mich eine wichtige Erfahrung zu erleben, wie Musiker wie Peter O'Mara oder Roberte DiGioia im Studio und auf der Bühne arbeiten. Außerdem ist es natürlich das "bassplayer's paradise", mit einem Schlagzeuger vom Kaliber eines Wolfgang Haffner zusammenzuspielen...

BP: Lass' uns ein wenig mehr über dich als Bassisten sprechen. Aus deinem Spiel hört man des öfteren Jaco-angelehnte Phrasen heraus, z.B. bei den Titeln "Take It There" und "Magic Hour" auf "Grounded"... Was bedeutet Jacos Musik für dich?
PS: Als ich Jaco zum ersten Mal gehört habe, hat mich das tief berührt. Bass mit soviel Gefühl und Geschmack gespielt - das hatte ich vorher noch nie gehört! Ich habe sofort und bis heute alle Jaco-Platten gekauft, die ich kriegen konnte. Erst die Aufnahmen mit Joni Mitchell, dann mit Weather Report und natürlich seine Soloscheiben. Ich denke, Jaco war einer der wichtigsten Musiker und Komponisten des letzten Jahrhunderts! Ich hätte ihn so gerne einmal live gesehen...
Bei den Songs "Take It There", "Magic Hour" und "Phone Bill" auf "Grounded" spiele ich einen Fretlessbass. Ich glaube, wenn man heute in so einem Fusionkontext Fretless spielt, dann hört sich das immer ein bisschen nach Jaco an. Er hat eben unsere ganze Generation beeinflusst.

BP: Du spielst ja einen Human Base-Bass von Sigi Jäger. Wie sind deine Erfahrungen mit dem Instrument?
PS: Ja ich spiele einen Sechssaiter. Ich habe einige Jahre an der Musikhochschule in Mannheim unterrichtet und eines Tages kam ein Schüler in die Stunde, der einen custommade Sechssaiter von Human-Base dabei hatte. Der knackige-druckvolle Sound hat mich sofort überzeugt.
Das Instrument war sehr leicht bespielbar für einen Sechssaiter und die B-Saite war so drahtig und prägnant, wie ich es sonst nur von E-Saiten bei Viersaitern kannte. Da habe ich den Sigi angerufen und ihn gebeten mir genau so einen zu bauen. Jetzt spiele ich den Bass seit zwei Jahren und bin sehr zufrieden damit. Ich möchte mir demnächst noch einen fretless Bass vom Sigi bauen lassen-seine fretless Bässe klingen einfach fantastisch!

BP: Besitzt du auch Bässe anderer Hersteller?
PS: Ich spiele seit etwa 15 Jahren einen siebziger Fender-Jazzbass, den ich live hauptsächlich einsetze. Dann besitze ich noch seit einigen Jahren einen siebziger Fender-Precision fretless mit einem extra eingebauten Steg-Pick-up. Zu guter letzt noch einen Henner Fünfsaiter fretless. Henner Malecha ist ein sehr guter Bassist, Bassbauer und Fender-Jazzbass Freak aus München.

BP: Und was für Amps und Boxen spielst du?
PS: Momentan spiele ich ein Hartke 7000 Topteil.Das ist ein zwei mal 350 Watt Stereo-Verstärker mit Transitor- und Röhrenvorstufe, bei dem ich nur die Transistorvorstufe benutze. Dazu spiele ich zwei SWR-Goliath3 Boxen.Das sind 4 x10"-Boxen mit Hochtonhorn. Für kleine Gigs habe ich einen Hartke 350 Watt Verstärker und eine SWR-Junior Box.

BP: Komponierst du viel?
PS: In der letzten Zeit immer mehr. Früher hat es mich hauptsächlich interessiert, den Bass auszuchecken. Heute sitze ich oft am Klavier und versuche, meine Ideen festzuhalten. Ich habe mir Kompositionsbücher besorgt, die ich regelmäßig wälze und das macht mir sehr viel Spaß.

BP: Sicherlich bist du auch ein gefragter Lehrer im süddeutschen Raum, oder?
PS: Wie gesagt habe ich einige Jahre in Mannheim unterrichtet. Da ich aber in München wohne, war es immer sehr zeitaufwending, dorthin zu fahren, und deshalb musste ich leider aufhören. Momentan unterrichte ich am Richard Strauss-Konservatorium in München und bin einmal im Jahr Dozent beim internationalen Jazzworkshop in Erlangen.

BP: Was hast du selbst für einen musikalischen Background? Hast du studiert oder bist du Autodidakt?
PS: Ich hatte, wie schon eingangs erwähnt, drei Jahre Unterricht in klassischer Gitarre, bevor ich mit 14 angefangen habe, Bass zu spielen. Ich komme aus Garmisch-Partenkirchen und damals war die Stadt voll von Musikern, die in Clubs der amerikanischen Armee engagiert waren.
Ich hatte das Glück, Unterricht bei Wayne Martin zu bekommen, einem sehr guten Bassisten und Gitarristen aus Neuseeland. Er hat mich dann nach kurzer Zeit an eine Band weitervermittelt, so dass ich als frisch gebackener Bassist schon die Möglichkeit hatte, vier Tage die Woche in amerikanischen Clubs zu spielen.
Das war sozusagen "learning by doing". Ich habe später von Rock, Blues, Blue Grass, Top 40, Jazz, Salsa bis Brasil alles gespielt. Studiert habe ich zuhause mit der Stereoanlage und einigen Büchern - es gab damals nämlich noch kaum interessante Studiengänge für Popularmusik in Deutschland, mal abgesehen von ein paar Sommerwork-shops...

BP: Was kannst du uns über die Musikszene in München erzählen?
PS: Die Szene ist zwar nicht riesig, aber der Standard ist sehr hoch. Es gibt an jedem Instrument einige Musiker, die wirklich fantastisch spielen. Lass' mich ein paar Münchner Basskollegen aufzählen, die man sich unbedingt anhören sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat: Gerd Boelike, Paul Tietze, Alex Klier, Thomas Stabenow, Paulo Cardoso, Rocky Knauer, Henning Sieverts... das sind einige, die mir spontan einfallen.

BP: Wie stellst du dir deine Zukunft vor? Was ist als nächstes geplant?
PS: Es gibt einige interessante Musiker, mit denen ich in der Zukunft gerne spielen würde. Ich freue mich darauf, dieses Jahr viel mit der Scales-Band zu arbeiten und unsere Musik weiter zu entwickeln. Dann wird Klaus Doldinger ja 65 Jahre alt und die Band Passport feiert ihr 30stes Jubiläum. Das heißt, es stehen einige größere Konzerte mit besonderen Gästen an. Außerdem wird noch eine Tournee mit dem Saxophonisten Tony Lakatos stattfinden, der gerade seine neue CD veröffentlicht.

BP: Wird es auch ein weiteres Scales-Album geben?
PS: Da bin ich ganz sicher!

BP: Prima, wir freuen uns drauf! Danke für das Gespräch!
PS: Ich bedanke mich auch ganz herzlich! Bye!